Die 19. Mille Miglia, auch Mille Miglia, Brescia-Roma-Brescia, fand am 3. und 4. Mai 1952 statt und führte über 1.574 km von Brescia nach Rom und wieder zurück nach Brescia.

Vor dem Rennen

Nach einem leichten Rückgang bei der Teilnehmerzahl 1951 stieg die Zahl der Fahrer und Beifahrer 1952 auf mehr als 1000 an. Aus Italien war so gut wie jeder Fahrer bzw. jede Fahrerin am Start, der oder die über eine gültige Rennlizenz verfügte. 502 Wagen mit 1004 Fahren und Beifahrern gingen ins Rennen. 272 Teams kamen in die Wertung. Wie schon 1950 und 1951 war das erste Fahrzeug, das die Ziellinie überfuhr, nicht der Rennwagen des Siegers.

Nach der Zielankunft stauten sich die Wagen in der Innenstadt von Brescia und verschärften das Verkehrschaos nach dem Rennen.

Das Rennen

Die Route

Brescia – Verona – Venedig – Padua – Rovigo – Ferrara – Ravenna – Forlì – Rimini – Pesaro – Ancona – Foligno – Pescara – L’Aquila – Rieti – Terni – Rom – Viterbo – Radicofani – Siena – Florenz – Futapass – Raticosapass – Bologna – Modena – Reggio nell’Emilia – Parma – Piacenza – Cremona – Brescia

Das Comeback von Mercedes-Benz

Anfang der 1950er-Jahre traf die damalige Führung der Daimler-Benz AG unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Haspel die Entscheidung, mit der Marke Mercedes-Benz in den internationalen Motorsport zurückzukehren. Der bereits in den 1930er-Jahren mit der Leitung der Motorsportabteilung von Mercedes-Benz beauftragte Alfred Neubauer wurde wieder mit dieser Funktion betraut. Die Rückkehr in den Monopostosport sollte erst 1954 stattfinden, da dort zu diesem Zeitpunkt ein neues technisches Reglement in Kraft trat. Vorerst sollte sich das Team im Sportwagensport betätigen. Unter der Leitung von Rudolf Uhlenhaut wurde der Mercedes-Benz 300 SL entwickelt. Mit diesem Fahrzeug gab Mercedes bei der Mille Miglia sein Comeback bei Sportwagenrennen.

Auch zwei der Fahrer waren schon in den 1930er-Jahren für Mercedes aktiv. Der 1901 in Remagen geborene Rudolf Caracciola war zum Zeitpunkt des Rennens schon 51 Jahre alt. Ähnliches wie für Tazio Nuvolari in Italien galt für Caracciola in Deutschland; er war eine legendäre Figur aus den Anfangszeiten des internationalen Motorsports. 1935, 1937 und 1938 hatte er die Gesamtwertung der Grand-Prix-Europameisterschaft gewonnen. Zum 1000-Meilen-Rennen hatte er eine besondere Beziehung. 1931 hatte er das Rennen gewonnen und war bis 1952 der einzige Nichtitaliener der die Mille Migla gewinnen konnte. Hermann Lang war 1939 nachträglich zum Europameister erklärt worden und bestritt das Rennen gemeinsam mit dem Kfz-Meister Erwin Grupp als Beifahrer. Dritter Pilot war der deutsche Sportwagenmeister Karl Kling, der sich das Cockpit mit Hans Klenk teilte.

Die Scuderia Ferrari

Mit der Teilnahme von Mercedes-Benz erwuchs der erfolgsverwöhnten Scuderia Ferrari ein neuer Gegner. Die Rennmannschaft von Enzo Ferrari hatte die Rennen nach dem Zweiten Weltkrieg dominiert. 1948 und 1949 hatte Clemente Biondetti gewonnen; 1950 Gianni Marzotto im Ferrari 195 Sport Touring Berlinetta Le Mans und im Vorjahr siegte Luigi Villoresi, der einen Ferrari 340 America Berlinetta Vignale fuhr.

Ferrari war mit insgesamt acht Werkswagen vertreten, von denen drei die Scuderia selbst meldete. Piero Taruffi fuhr einen Ferrari 340 America, dessen Lampredi-V12-Motor auf 4,5-Liter-Hubraum aufgebohrt worden war. Einen zweiten 340 America pilotierte Gianfranco Comotti für die Scuderia Marzotto. Piero Scotti ging mit einem Ferrari 225S ins Rennen und der als Ersatzmann für den verletzten Luigi Villoresi ins Team gekommene Giovanni Bracco fuhr einen 250 Sport. Die weiteren Wagen wurden von Biondetti, Eugenio Castellotti, Mario Bornigia und den Marzotto-Brüdern Paolo und Vittorio gemeldet.

Weitere Werkswagen

Aus Großbritannien kamen Jaguar, Aston Martin und die Donald Healey Motor Company mit Werkswagen nach Italien. Porsche hatte 1951 erstmals international auf sich aufmerksam gemacht, als ein französisches Fahrerteam den 20. Gesamtrang auf einem Porsche 356 erreichte. Für die Mille Miglia wurden zwei Porsche 356 1100 aufgebaut, die von Wittigo von Einsiedel, Paul Alfons von Metternich-Winneburg und Richard von Frankenberg gefahren wurden.

Wieder tödliche Unfälle

Auch in diesem Jahr kam es auf der teilweise ungesicherten Strecke zu schweren Unfällen, von denen wieder zwei fatal endeten. Vitaliano Grazzani, ein 20-jähriger Mechaniker aus Mailand bestritt das Rennen gemeinsam mit seinem Freund Corrado Manfredini auf einem Fiat 750. Die beiden Fahrer gingen um 23:31 in der Nacht ins Rennen; 70 Kilometer nach dem Start, in Peschiera del Garda, starb Grazziani nach einem schweren Unfall. Der zweite tödliche Unfall betraf Pietro Avalle. Avalle war Beifahrer von Sandro Fiorio, dem Vater von Cesare Fiorio und dem Großvater von Alex Fiorio. Avalle verlor sein Leben nach einem Überschlag des ALF-Fiat 750 ca. 200 Kilometer vom Startort Brescia entfernt.

Der Rennverlauf

Im Training hatte Karl Kling einen Unfall, als er mit einem Fiat 1100 kollidierte, dessen Fahrer am Steuer eingeschlafen war. Obwohl der Mercedes dabei erheblich beschädigt wurde (beide Fahrer blieben unverletzt), konnte er bis zum Rennen repariert werden.

Zum dritten Mal in Folge wurde das Rennen im Regen gestartet. Erster Führender war Giovanni Bracco vor den Mercedes von Kling und Caracciola, dem Ferrari von Paolo Marzotto und den beiden Lancia Aurelia B20 von Luigi Fagioli und Enrico Anselmi. Für Bracco (laut Augenzeugen hatte der trinkfreudige Kettenraucher eine Flasche Cognac in einer Spezialhalterung im Auto und rauchte während der Fahrt vier Schachteln Chesterfield) gab es nur die Devise „Ausfall oder Sieg“; dementsprechend ungestüm fuhr er auch. In Ravenna hatte er fünf Minuten Vorsprung auf Kling, der bei der Wende in Rom die Führung übernahm. Taruffi kämpfte sich mit dem schweren 340 America Spider durchs Feld, lag in Siena an der Spitze, ehe er in Castellina di Chianti mit einem gebrochenen Kreuzgelenk an der Antriebswelle aufgeben musste. Enzo Ferrari setzte nun alles auf Bracco, der alle Unterstützung bekam. Nach einer halsbrecherischen Fahrt überholte er noch Kling und siegte in seinem 250 Sport mit einem Vorsprung von 4 Minuten. Fagioli wurde überraschend Dritter, noch vor Caracciola, der einen möglichen dritten Gesamtrang durch einen defekten Kühler auf den letzten 150 Kilometern verlor. Viermal musste er am Streckenrand halten, um Wasser nachzufüllen.

Bester britischer Wagen im Ziel war der Nash-Healey von Leslie Johnson an der siebten Stelle und sowohl Porsche als auch der Gründer von Alpine, Jean Rédélé, feierten Klassensiege.

Ergebnisse

Schlussklassement

1Trainingswagen 2Trainingswagen

Nur in der Meldeliste

Hier finden sich Teams, Fahrer und Fahrzeuge, die ursprünglich für das Rennen gemeldet waren, aber aus den unterschiedlichsten Gründen daran nicht teilnahmen.

Klassensieger

Renndaten

  • Gemeldet: 608
  • Gestartet: 502
  • Gewertet: 272
  • Rennklassen: 16
  • Zuschauer: unbekannt
  • Wetter am Renntag: zuerst Regen, später trocken
  • Streckenlänge: 1574,000 km
  • Fahrzeit des Siegerteams: 12:09:45,000 Stunden
  • Gesamtrunden des Siegerteams: 1
  • Gesamtdistanz des Siegerteams: 1574,000 km
  • Siegerschnitt: 128,591 km/h
  • Pole-Position: keine
  • Schnellste Rennrunde: keine
  • Rennserie: zählte zu keiner Rennserie

Literatur

  • Hans-Jörg Götzl: Mille Miglia Motorbuchverlag 2006.

Weblinks

  • Offizielle Website
  • Rennergebnisse

Einzelnachweise


Mille Miglia 1955 radicalmag

Mille Miglia, 1955

Fotos vom MercedesEinsatz bei der Mille Miglia 1952 Oldtimer

Mille Miglia 10 Fakten & Rekorde

Mille Miglia 1952 Rennen Rennsport Motorsport Poster